Geigenunterricht und andere Erzählungen

Geigenunterricht und andere Erzählungen

 

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HETA & HAMLET

Hamlet, zweiter Teil

Personen:

Horatio, Hofmann und Freund Hamlets

Heta, Hamlets Schwester, die ihren Bruder verachtet/, seitdem///immer noch verübelt, dass// dieser Ophelia, ihre beste Freundin, mit zynischem Spiel und Missbrauch in den  Tod getrieben hatte.

Hamlet

Hamlets Geist

Fortunis: Hamlets Leibarzt

Fortinbras, Prinz Norwegens

Englische Botschaft: Graf MacDonald, sein Sekretär Shakespyre

1.Tag. Horatio: Er rief mir noch zu: Horatio, Horatio, die Botschaft aus England werde ich nicht mehr erleben, doch sage ich voraus, dass die Wahl auf den Norweger, auf Fortinbras, fallen wird. Fest davon überzeugt, dass er sterben wird. bat er mich, seine, Hamlets Geschichte der Nachwelt zu erzählen. Tatsächlich fiel Hamlet nur ins Koma und alle bestürmen mich, was denn jetzt sei. Die Delegierten aus England warten, der Prinz aus Norwegen wartet, ob Hamlets Tod ihn zum König Dänemarks macht oder nicht, das steht, wie Hamlets Leben, in der Schwebe…. und Heta, die Schwester Hamlets, wartet. Solange Hamlet nicht regierungsfähig oder tot sei, sei sie, als einzige Überlebende der dänischen Königsfamilie, seine Nachfolgerin. Hamlets Leibarzt, Fortunis, behandelte, reinigte  Hamlets Stichwunden mit einem Kräutersud/und meinte, es sei Hamlets Glück im Unglück gewesen, dass ihn zwei Gifte, die sich neutralisierten, vergifteten. Mit anderen Worten, Hamlet ist zur Zeit weder richtig lebend noch richtig tot. Und vor seiner Kammer tobt der Machtkampf. Hat Hamlet recht – so hofft Fortinbras , dass er stirbt, um so seinen Thron zu behaupten, seine ihn verachtende Schwester, Heta, dass er invalide weiterlebt, um so seinen Thron zu behaupten- nur ich und Fortunis hoffen, dass Hamlet gesund und König wird. Und es würde mich nicht überraschen, dass, angesichts der neuen Situation, England darauf drängt, Hamlet zu entmündigen, und selber nach seinem Throne strebt.

2. Tag – Hamlets Geist erscheint am Bett des Ohmächtigen, des Delirierenden.

3. Tag – Heta, Fortunis und ich am Bett des Ohnmächtigen.

6.Tag. Es geht Hamlet mittlerweile so gut, dass die Englische Delegation in sein Gemach, an sein Bett, treten darf. Nicht die ganze, Zwei auserwählte Herren werden zugelassen, haben Fortunis und ich entschieden. Der eine, Graf MacDonald, führt die Delegation, der andere Mann ist sein Sekretär, ein Herr Shakespyre. Herr Shakespyre, aus der Englischen Delegation, tritt an das Bett von Prinz Hamlet (oder soll ich „König Hamlet“ sagen?).

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Der Spitzel

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Im Kartenhaus

Ich wusste nicht, warum mich der Traum mitgenommen hatte zu ihnen nach  Hause, vielmehr zunächst vor die Türe ihrer grossen Wohnung. Aber mein Dank nach dem Aufwachen galt dem, was ich erleben, sehen, spüren durfte. Da waren Tapeten an den Wänden mit Karo, Pic, Herz und Dame-Muster, die Räume und Personen waren in ein eigentümliches Rotbraun, in ein weinrotes Violett, in ein bräunlich violettes Weinrot getünkt. Die Herzdame war die Bewohnerin diese Wohnung. Ihr Anblick schlug mir in den Wänden entgegen, ihr Anblick, ihre Erscheinung wechselte in die Wände und von den Wänden in die Realität über, im Takt des Schlages meines Herzens.

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Das Vatikanmuseum

Offiziell wurde der Vatikan am Neujahrestag des Jahres 2650 nach der Achsenzeit (n.A.) als  Museum und Forschungszentrum für alteuropäische Kultur wieder eröffnet. Umgerechnet in den christlichen Kalender war das der erste Tag des Jahres 2150 nach dem (paulinischen) Christus. Zugegen waren PostabrahamistInnen aller Couleur und Herkunft, am ersten Tisch sass die kulturelle und architektonische Leitung des grandiosen Projektes, und weil paulinische Christen und Christinnen mittlerweile als unverbesserliche Sektenanhänger, nicht mehr als ehrwürdige Repräsentanten einer Staatsreligion, galten, wurden keine eingeladen, auch nicht altabrahamische Muslime und Juden, die ebenfalls seit Jahrzehnten mit Mitgliederschwund kämpfen und, je mehr die Wissenschaft ihre Arbeit leistete, desto mehr in den Geruch gerieten, unverbesserliche Ideologen zu sein.
Die grosse Mehrheit der geladenen Gäste am luxeriösen Eröffnungsbankett im Petersdom war die postabrahamische und philosophische Elite unserer europäischen Gesellschaft. Mit wehenden Fahnen haben die Leute das Christentum nicht verlassen, eher leise mit der Abstimmung ihrer Füsse – das Christentum verdünnte sich, dann verdünnisierte es sich – da sie das, was sie unter „Christentum“ verstanden, immer weniger mit seinem offiziellen Bild übereinstimmte. Das neue, alternative, postpaulinische Christentum hatte einen anderen Zugang zur göttlichen Dimension der Welt und des Menschen gefunden. Ein Teil des Islams und des Judentums hatte sich ebenfalls von seiner „historizistischen“ Epoche distanziert, hatte mit ihr gebrochen – und nun streben sie einem testamentarischen Glauben an Abrahams Gott nach. Einem Buch, einem Testament, das in seiner ursprünglichen Form zerstört wurde, das glauben die einen, oder die Welt nur berührt hatte, das glauben die anderen.

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Der Zooausbrecher

Das erste Tier, das ich aus dem Zoo befreite, war der Wappenvogel der USA. Das alte Weisskopfadlerpaar fristete in einem Aussengehege des Zoos, in der dunkelsten und abgelegensten Ecke, seine lebenslängliche Verkümmerung, hinter einem irrwitzig feinmaschigen Gitter, das 4 Meter hoch und vielleicht 6 Meter breit gewesen war, als ob man diese grossen Vögel provisorisch in einen Käfig für Spatzen eingesperrt hatte. Die Adler sassen tagaus, tagein auf dem obersten Ast des einzigen Baumskeletts in dieser löchrigen Blechkiste und mussten sich tagaus, tagein ducken unter diesem dunklen Käfig. Jahre und Jahrzehnte lang. Ich fuhr während vieler Jahre mit meinem Motorrad auf der Strasse gegenüber, getrennt durch einen kleinen, stillen Kanal des Tiergartens, an diesem Aussengehege des Zoos vorbei, an diesem lebenslänglich weggesperrten und ständiger Verkümmerung ausgesetzten Lebewesen – bis ich eines Tages den Plan fasste, und den Mut, diesen widernatürlich festgehaltenen Vögeln für Menschen, die an Sonn- und Feiertagen mit ihren Kinderchen diese schonend organisierte und vollstreckte Tierquälerei geniessen wollen, einmal in ihrem Leben die Freiheit zu schenken. Sie ausbüchsen zu lassen. Könnten sie bis zu den Bäumen im Tiergarten fliehen, fliegen und dann sterben – wäre das nicht  eine kleine Kirsche der Freiheit?  So flogen sie wenigstens einmal frei, vielleicht zuerst etwas unsicher, verängstigt, doch mit jedem Flügelschlag erfreuter und erleichterter hinaus. Ich wartete viele Jahre lang und kurz bevor sie im Sterben lagen, ging ich zur Tat über. Lange hatte ich mich vorbeitet auf diese Nacht und die richtige Säge und Zange dabei, ich kletterte das  Gitter hoch, auf das Gitterdach, und schnitt es frei, an drei Stellen liess ich das Gitter angesägt, an diesen befestigte ich ein dunkles Kabel, angepasst an die dunkle Gitterfarbe, und kletterte herunter. Am anderen Morgen schnürte ich das Kabel an das Motorrad, gab Gas und so riss es ein Quadrat aus dem Gitterdach des Adler-Käfigs und der stolze Wappenvogel der USA konnte zum ersten Mal direkt in den Himmel zur Sonne blinzeln, ohne Gitter dazwischen. Später las ich in der Zeitung, dass  das Weisskopfseeadlerpaar an einem See in der Uckermark gesichtet wurde, und Botho Strauss, der dort wohnt und sie regelmässig mit Fisch füttert (in der Gefangenschaft hatten sie nicht gelernt, Fische zu fangen. Der Mensch stahl ihnen die Fähigkeit, sich selbstständig zu ernähren, liess sie systematisch verkümmern und „vermenschelte“ sie) kämpft heute noch gegen den Zoo und alle Tierquäler-Muttis und -Papis, die es wieder einsperren und anglotzen wollen mit ihren Kinderchen. Soviel zu meinem ersten Tier, das ich ausbrach. Danach folgten die Gorillas, die verschwanden in den Bäumen, die den Kanal säumen, am Tag der Freiheit, den sie nicht vergessen werden. Ich nahm heimatliche Fische mit, und setzte in einem italienischen Zoo eine seltene Art Wildsäue frei.  Die Medien nannten mich den  „Zooausbrecher“, bis mich die Polizei erwischte und die Justiz mich hinter Gitter sperrte. Seitdem überlege ich, wie ich hier herauskomme.

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(Hinweis des Literaturaufklärers: Diese Geschichte kann auch als Parabel über Körper und Seele gelesen werden, ohne dass sich darin die Auffassung des Autors spiegeln müsste. Sie kann aber auch als Parabel über die innere und äussere „Vergefängnissung“ von Mensch und Tier in unserer Gesellschaft gelesen werden. Oder über Kafka (Der Hungerkünstler), Kisch, nein, Verzeihung, Andersch (Kirschen der Freiheit) und die aktuelle Deutsche Literatur. Oder über die kleine Auferstehung Christi. Oder als Script für „Planet der Tiere“. Und so weiter.)

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Über Jagdadler und Adlerjäger oder wenn eine Freilassung zugleich eine Selbstfreilassung ist.

Mongolische Adlerjäger entlassen nach einigen Jahren ihre Adler, denen mit der Freiheit nicht die Fähigkeit, sich zu erhalten, gestohlen wurde,  in die Freiheit. Als Dank dafür, dass sie dem Menschen lange genug und gut gedient hatten, und als Entschuldigung. Die Mongolen, die den Adler so abrichteten, dass er ihnen nicht davonflog mit der gerissenen Beute, fühlten wohl etwas Trauer dabei, sich vor allem aber erleichtert und befreiter, nicht nur die Adler.

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Das Ende und die Wiedergeburt der Olympia

Das Ausmass der Betrügereien an den olympischen Spielen geriet so aus dem Ruder///Dermassen genug hatte man von den Betrügereien an den olympischen Spielen, dass man sie offiziell zuliess, ja, man  machte sie zu einer eigenen Olympiade, nannte sie die „Spordopya“, währenddem die verdorbene Olympia vollständig restauriert wurde, also konsequent an die historischen Bedingungen angepasst, so gut es ging, und es ging immer besser. In der Spordopya gab es fortan 2 Goldmedallien pro Disziplin, eine für die beste Pharma-Firma und eine für den Doping-Sieger. Der Weltrekord auf 1oo Meter Männer in der Spordopya belief sich im Jahr 2040 auf 8,71 Sek., in der „Bio“-Olympiade auf 10,16 Sek. – gerannt wurde auf Naturboden mit Rennsandalen mit Ledersohlen. Leitlinie der Olympia-Kommission war die Olympia-Philosophie der alten Griechen und deren Welt. Aktuell berät sie sich darüber, ob sie 5 Meter Sand in die 100 Meter Sprint einbauen sollte, sie fand die letzten Rekorde zu „schnell“, und ab welcher Sturmwarnung und Wassertemperatur die Schwimmwettkämpfe im Meer abgebrochen werden sollen. Die Kommission der Spordopya hatte aufgehört, über die Retro-Olympiade zu lachen, blieb aber dabei, sich die entfesselte Weiterentwicklung von Leistung zur Devise zu machen: schneller, höher, weiter  oder: „besseres“ Material, „besserer“ Boden und „bessere“ Gentechnologie. Am Ende wurde die Menschheit der Spordopya müde und gründete die Robotya. Von nun an kämpften in den Disziplinen der Olympiade Roboter um den Sieg. Der Weltrekord auf 100 m Sprint in der Robotya betrug im Jahr 2050 gerade noch 3,12 Sek.. Alle Roboter mussten 78 kg schwer sein, auch die Beinhebel und die Körpergrösse waren vorgeschrieben, ähnlich wie in der Formel 1 die Wagen, liefen Sportroboter unter gleichen Rahmenbedingungen. Um 2100 nach Christus bzw. 2600 nach der Achsenzeit wurde die Spordopya eingestellt, und an der Olympia rannten Menschen zum Vergnügen um die Wette, ohne Mutationshilfe und Spezialausrüstung, nur im „mutierten“ Geiste der Griechen und Griechinnen.

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Die Geburt der Bücher.

Ich bin schwanger und hatte einen merkwürdigen Traum von Autoren gebärenden Büchern von Autoren, die sie „gebärten“. Die Bücher lebten wie Träume.  Es war da eine Art Turm wie ein in sich verdrehtes Blatt Papier.  Es hiess, in der ersten Etage würden die Bücher reden oder leben, die Autoren purzelten aus den Blättern, es werden dort aus Büchern Autoren zur Welt gebracht, nicht aus Autoren Bücher.  Es würde dort Goethe zum Leben erweckt werden, nicht Faust durch Goethe. Es würde dort Shakespeare seinen  Kollegen verraten, wer er ist.  Es würden tatsächlich Bücher, die Illias und die Odysee, Homer herausquetschen, mit aufgeklappten Seiten wie gespreizte Schenkel. Die Bücher seien Gebärmaschinen, dort glitsche ein Autor nach dem anderen aus ihnen in die Realität, in das Leben. Es lief umgekehrt, lief es umgekehrt. Die Umschläge waren die Gebäude, das Leben war ein Traum, die Papiere gebärten Autoren. Ich hatte Angst, diese verdrehte Welt zu betreten, obwohl ich wusste, dass ich bereits mitten im Traum stand. Ich wollte wach werden und den Ausweg finden. Um mich herum scharten sich Scharen von Frauen.

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Die Märchenerzählerin

Meine Mutter war meine erste Vorleserin – von Grimm Märchen, die zu monströs waren, und Dostojewski, der zu schwer für mich 4 oder 5 Jährigen war – , sie gab mir ihre Milch, dann impfte sie mir ihren Ehrgeiz, Literat und Komponist zu werden, das, was sie gern geworden wäre, – Beethoven wär sie gern geworden – in frühester Kindheit, ein – Etwas, aber nicht völlig, übertrieben wäre es, zu behaupten, ich wurde vom Ehrgeiz meiner Mutter misshandelt, vom Ehrgeiz meines Vaters auf subtile Art vergewaltigt – aber sie  hatten ihre Projektionen auf mich gelenkt, ähnlich wie sich elterliche Neurosen  unbewusst auf ihre Kinder übertragen. Es kann gut sein, dass solche Übertragungen von Müttern auf Söhne in den Jahrhunderten, in denen sie vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren, stattgefunden haben. Dass die Männer den Ehrgeiz von Frauen ausagierten, denen sie die Ausagierung verbaten. So wurden sie von jenen kontrolliert, die sie zu kontrollieren glaubten. Subtilen maternalen Einfluss auf die Söhne müssten wir lesen lernen so wie wir die Politik ihrer Söhne lesen lernen (müssten), den Einfluss von Frauen auszuschliessen. In vielem, was die Söhne tun, ist ja Freuds berühmtes Agieren des Sohnes, um Mutters, Vaters oder beider Lächeln willen, abzulesen. Es gehört zur Selbstgefälligkeit, vielleicht essentieller als bewusst wahrgenommen wird, nicht allen, aber gewissen Personen zu gefallen.

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Der Literaturaufklärer

Der Oskar-Schiller-Verlag ist mit 400 Jahren Firmengeschichte der älteste, aktive Verlag Deutschlands.  Wobei unter „Deutschland“ vor 400 Jahren etwas anderes verstanden wurde als heute. Damals war es das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und der Oskar-Schiller-Verlag, der 1626 in Leipzig gegründet wurde, war der erste Universitätsverlag im Land eines blühenden Fürstensitzes. Im Laufe des 17. Jahrhunderts, bedingt durch den Dreissigjähren Krieg, begann Leipzig sogar den bislang grössten Buchmesseplatz Frankfurt am Main zu überflügeln. Grösster Nutzniesser und Beförderer der Umstände zu seinen Gunsten war der „Schiller-Verlag“, wie er im Volksmund hiess.  Er brachte die „Schilleriana“ auf den Markt – auflagenstarke, preiswerte Klassiker und Volksliteratur, wie sie in Holland die Elzevier, in Frankreich die Oudots produzierten.
Im 21. Jahrhundert stellt er zum ersten Mal in seiner Geschichte einen „Literaturaufklärer“ ein, er wurde notwendig, weil seine Autoren und Autorinnen sich immer mehr beschwerten, dass ihre LeserInnen, – Kunden des Verlags – zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden konnten oder wollten. Dass es einem Autor nicht möglich war, über die letzten Abenteuer einer Krebskranken zu schreiben, um darauf nicht von entsetzen Fans mit Fragen über die eigene Gesundheit oder von erfreuten mit dem Lob über das Outing der eigenen Transsexualität bombardiert zu werden. Obwohl der Verlag schon begonnen hatte, die Buchumschläge mit deutlich erkennbaren Warnhinweisen zu versehen (Ähnlichkeiten mit realen Personen und Begebenheiten sind rein zufällig..und so weiter), musste er reagieren und den Beruf des Literaturaufklärers schaffen. Seine oder ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Kunden des Verlags über seine Literatur und LiteratInnen aufzuklären. Fragen zu laufenden Projekten oder zum Gesundheitszustand eines Hausautors konnten von nun an an den Literaturaufklärer gerichtet werden.  Der Verlag produzierte Fiktionen, die Realitäten vergessen machen können, durch seine Autorinnen, und durch seinen Literaturaufklärer, Realitäten, die wieder erinnert werden sollen. Die Nachfrage nach Literaturaufklärung schien dem Verlag zeitweise stärker als nach Literatur zu sein.  Lag das daran, dass Fiktion und Realität sich immer häufiger deckten, die Trennung unschärfer wurde, für Lesende wie für Autoren, so half ihnen der Literaturaufklärer, diese Unterscheidung wieder besser und sicherer treffen zu können. Der Verlag wusste durch seine lange Firmengeschichte, dass Dummheiten im Kollektivmassstab im Lauf und Wandel der Zeit wie Geschäftskonjunkturen kamen und gingen und man sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen hatte. Der Literaturaufkärer musste die Kunden des Verlags über Unaufgeklärtes in der Literatur seiner Autoren und Autorinnen aufklären, wo der Hintergrund einer Erzählung Fakten entsprach und immmer wieder die Bitte äussern, nicht zu einfache Rückschlüsse vom Geschriebenen auf die Schreibenden zu machen. Viele Schildbürger huschten dennoch über die Dächer weiter und glaubten, dass der Mond im Korb Platz hat.  Verunsichertere Leserinnen und Leser hingegen waren froh, dass sie am Ende des Romans oder der Erzählung auf die Nummer der Hotline des verlagseigenen Literaturaufklärers verwiesen wurden, bei dem sie nachfragen konnten, was real und was fiktiv am soeben zu Ende gelesenen oder gehörten Text war. Andere, noch frisch unter dem Eindruck des dramatischen Endes stehend, hatten bloss das grosse Bedürfnis, ihr grosses Bedauern, dass der Held gestorben oder die Serie zu Ende gegangen war, zum Ausdruck zu bringen  (besonders oft war das der Fall bei Literatur, die hinterlistigerweise einen grossen Mitteilungsdrang und Fortsetzungswunsch  hinterliess) und andere baten den Literaturaufklärer den Autor doch bitte zu bitten, einen Folgeroman zu schreiben,  – möglichst verfilmbar – in dem der Held aufersteht.
Das Bedürfnis nach psychologischer Nachbetreuung der Leser und Leserinnen – Kunden des Verlags – wurde so gross, dass der Verlag die Jobdescription des Literaturaufkärers auf die des „Literatur“-Nachbetreuers ausdehnte, ausserdem mussten Autoren und Autorinnen sich verpflichten, Wünsche von Kunden und Kundinnen zu berücksichtigen, dafür wurde ein Online-Abstimmungssystem aufgebaut, dass ab einer gewissen Quote für die Autoren und Autorinnen des Verlags bindend wurde  – stimmten 100 000 potentielle Verlagskundinnen für einen Fortsetzungsroman mit glücklichem Ausgang für die Heldin, wusste der Autor, die Autorin, erstens, was sie zu tun hatte, zweitens aber auch, mit welcher Provision sie rechnen konnte. Demokratisch wurde hier profitable, erfolgreiche Kunst diktiert. Der Literaturaufklärer wurde mehr und mehr zum Online-Moderator des Abstimmungstools der Kundinnen und Kunden des Verlags. Ein neues goldenes Zeitalter der Text- und Script-Produktion brach an, in dem der Erfolg fast jeden Literaturprodukts durch verlagseigene Abstimmungstools und Quotenregeln, die über die Marktgängigkeit bestimmten, so gut wie absehbar und sicher war. Ausserdem war der Schiller-Verlag ein Markenzeichen, das dem berühmtesten Autor nicht nachstand: Autor oder Autorin von ihm zu sein, war eine Auszeichnung für sich – nicht zuletzt dank einer ausgefuchsten Online-Moderation, einer Hotline für die Nachbetreuung und einem Abstimmungstool der Kunden und Kundinnen für die Wünsche und Gestaltung der nächsten Romane des Verlags. Neben dem seltenen Kreativgenie, das sich von allen anderen absetzte, gab es nun mehr und mehr Schwarmautoren und -autorinnen, die möglichst alle anderen in sich zum Einsatz und Ausdruck brachten. „Ein Satz, ein Druck!“ – war ja auch das Hausmotto des Oskar-Schiller-Verlags.

[ Vgl. den Artikel von Hubert Spiegel, FAZ, 14.08.2017,  – er hätte  Konsalik miterwähnen dürfen – wo u.a. Kracauer bei Literaturerfolgen von „geglücktem Experiment“ spricht. Die Poesie spricht hier davon, dass dieses durch ein vom Verlag hergestelltes Feedback mit seinen potentiellen Kunden optimiert werden kann. Für weitere Lesarten fragen Sie sich selber oder den Literaturaufklärer des Verlags]

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In den Knochen

Es gab nichts, was mich mehr interessierte als Knochen. Dafür hatte ich schon in den jüngsten Jahren ein Faible entwickelt, eine Art Genie vielleicht, angeerbt. Früher und intensiver muss ich begriffen haben, dass ich in einem Knochen- und Knorpelgestell zur Welt gekommen bin, und früher und intensiver suchte ich in meinem Kopf die Knochen, ertastete ich meine Schädel- und Wangenknochen mit meinen knöchernen Fingern, haute ich fest mit meinen Fingerknöcheln auf meinen Schädel, um herauszufinden, wo es nicht weh tat. Ich mochte die Empfindungslosigkeit und Härte, das Mineralisch-Steinerne an meinen Knochen: ich kam als Knochenwesen daher… – ich hätte gerne etwas von ihrer Art in meinem Gemüt gefunden  – weich und empfindlich: fleischern wie es war   Kann es hart und empfindungslos wie meine Knochen sein?  Wie weit sind meine Knochen Teil meiner Psyche? Wie weit ist meine Psyche Teil meiner Knochen? Es heisst doch- Körper und Geist liessen sich nicht trennen? Der Schädel ist Teil meines Geistes, der Geist Teil meines Schädels.  Die Knochen sind die empfungslosesten,  härtesten Teile meines Körpers und die, die von ihm am längsten überdauern werden. Du findest sie nach Tausenden von Jahren. Sie waren eingebaut in mich, damit ich überhaupt existieren konnte, sie umrundeten mein Gehirn als Schutz vor Schlägen und anderen schädlichen Einflüssen von aussen.  Dann aber sterbe ich trotzdem innerlich und die Knochen verfallen äusserlich in einen Knochen- oder Aschehaufen. Die Knochen bilden den Widerstand gegen Muskeln, Fleisch und Sehnen, ermöglichen aber auch ihre dynamische Ausführung und Verbundenheit. Ich wäre nichts ohne meine Knochen. Das war mir unmittelbar klar. Deswegen konnte ich es ein wenig nachvollziehen, dass Gott Abraham nicht aus einem Stück Fleisch, sondern aus einer Rippe von Adam, Eva schuf. Ihr Stock musste ein Knochen sein.

Das, was Menschen nie essen, sind die Knochen. Es ist das, was sie zu Lebzeiten schon nicht verdauen können und das, was der Tod am schlechtesten verdaut. Ich wollte immmer die Knochen essen, das Fleisch abnagen, um an die Knochen zu kommen. Meine Mutter hatte dann bald die geniale Lösung, dass sie mich das Knochenmark essen liess. Und lernte mich, aus den ausgehöhlten Knochen Flöten machen.

Mit einer Knochenflöte lernte ich musizieren, also Mutter lernte es mich.

Die Härte der Knochen spiegelt das harte Umfeld, in dem das Sein meiner Genesis steht.  Die Planeten bildeten sich aus Eisen und kompakte Härte in Riesendimensionen aus. Das Weiche und Flüssige und das Harte und Feste, die Kälte, die sie verhärtete, und die Hitze, die sie verflüssigte, bildeten Grunddifferenzen der Genesis oder waren von der Genesis gebildete Grunddifferenzen des Seins. Der Stein im grössten Haufen ist der Knochen, das Netz der Milchstrassen das Skelett des Kosmos. Du musst ein wenig von der Härte, Kompaktheit, Widerstandsfähigkeit, eines Knochens /haben, um sein zu können, um in die Existenznähe des harten Seins zu gelangen ///und dort in deiner Mischung von Weichheit und Härte/// für eine Weile auszuharren/. Es heisst nicht zufällig, dass wir aus der Steinzeit stammen. Dass wir aus der Eisenzeit und der Bronzezeit kommen.  Am Anfang war das Wasser und das Weiche, auf hartem Grund  – auf dem Land kam der Grund alleine, ohne Wasser hervor, wurde alles härter und trockener. Wir wurden innerliche Teiche und mussten Wasser anzapfen, während der harte Boden einen harten Auftritt verlangte. Wir entwickelten Knochen und Gelenke, die die Muskeln und Sehnen verbanden und Muskeln und Sehnen, die die Knochen trugen, um im Trockenen, schneller vor dem Fressfeind davon- und dem Fressopfer hinter herrennen zu können. Der Männsch,vor allem der männliche,  ist ja ein knöchernes Flucht- und Jagdwesen. Die Frau kann weder so schnell fliehen, noch so gut jagen wie er – Ausnahmen bestätigen die Regel. Mit der Sesshaftigkeit und der Entwicklung heimischer Nähe wurde das Jagen und Fliehen des Mannes obsoleter, das Überdauern am Ort und den Standpunkt verteidigen wichtiger. Vermutlich sind die Frauen von daher immer schon klüger gewesen, als die Männer.

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Die Dienstherren und die Ermordung von Frank Stand (von Sarara Frei).

Bei Michael Hastings gaben sie sich viel Mühe. Er machte sich den ehemaligen CIA-Chef zum Feind (Hastings verpetzte ihn öffentlich, Obama ergriff die Gelegenheit, ihn endlich los zu werden), doch das war nicht der Hauptgrund – man hatte gerade die Snowden-Panik am Hals und jetzt kam noch Hastings – zugespitzt gesagt, im Juni 2013 brachte Snowden Hastings um…. Morgens um 4 Uhr raste er in seinem kleinen Mercedes in einen Baum – vergeblich das Lenkrad oder die Bremse benutzend…. Bei Khashoggi, ermordet durch die Saudi-Arabische Regierung, sah es ganz anders aus, noch nie wurde ein Mensch so obszön offen, geradezu vor laufender Kamera, durch Staats- und Geheimdienstkriminalität, also ohne Prozess, hingerichtet, ermordet und zerstückelt (selbst bei Nemtsov, der direkt vor dem Kreml liquidiert wurde, wurde Mühe darauf gelegt, die Spur in Tschetschenien verlaufen zu lassen…). Doch ich, Sarara Frei, Reporterin eines renommierten Online-Journals, will ihnen kurz die Geschichte von einem anderen Opfer, Mordopfer, durch Geheimdienstkrimininalität, erzählen, es handelt sich um Frank Stand, der sich in der Social-Media-Community einen gewissen Ruf machte, unangenehme Dinge, die sich nur ein Hofnarr erlauben konnte, zu sagen – Hofnarren lebten dennoch gefährlich. Frank Stand wurde mitten in Deutschland, mitten in Berlin, nach und nach, vergiftet, es gibt eine Krebsart, Blasenkrebs, die reagiert gut, tödlich gut, auf gewisse chemische Stoffe, auf gewisse Industriegifte. Er ging zwei, dreimal zur Polizei, um Anzeige gegen unbekannt zu erstatten, im Protokoll steht, er habe berichtet, in seine Wohnung werde beinahe täglich eingebrochen, er habe sich gewundert, was die Einbrecher in seiner Wohnung suchten und warum in seiner Küche Handtücher und Lappen gebraucht wurden. Als es ihm aufging, dass es sich um Mittel für die Zubereitung von Gift handelte, Trockenpulver, das in Kaffepulver, in Wasser, in Milch, in Senf, in Essig und so weiter, eingerührt wurde, war es zu spät, Frank Stand hatte Blasenkrebs, mit Metastasen bis in den Penis und die umliegenden Lymphdrüsen und beide Nieren, er steckte zudem in den Knochen. Kurz, es war, als es entdeckt wurde, viel zu spät, um sein Leben, ein lebenswürdiges Leben, zu retten – eines, ohne halb abgeschnittene Genitalien, herausgerissene Blase, ausgeräumte Lymphdrüsen und den Verlust einer Niere. Als diese Einbrüche begannen, begann es mit Entzündungen, ohne positive Laborwerte.  Einmal musste er sich /selber//um 3 Uhr früh einliefern in die Notaufnahme des nahe gelegenen Krankenhauses, dort wurde ihm klar, dass er vergiftet wurde, als er eine blitzartig eintretende Pankreatitis mit einem Wert von über 1000% über dem normalen Grenzwert hatte und überlebte. Binnen 20 Stunden war der Wert wieder im Normbereich. Er wunderte sich über die Agenten, die ihm auflauerten in den Arztpraxen, die die Ärzte und Ärztinnen einschüchterten – eher junge, in Einzelpraxen, als Professoren, die ganze Abteilungen von Krankenhäusern leiteten und sich kaum beeindrucken liessen… ja, jetzt erst recht ihren Patienten schützten – so wie vor der übergriffigen Krankheit so vor dem übergriffigen Staat…., mit der Angabe, dass sie vom Staatsschutz und Ärzte ihnen gegenüber auskunftspflichtig seien. Der Staat kennt kein Arztgeheimnis, das er nicht kennt. Frank Stand wehrte sich noch, warnte die Öffentlichkeit vor der Geheimdienstkriminalität und Staatskriminalität, die er ersetzen wollte durch das, was er „Europäisches Sicherheitsmodell“ nannte. Ein Einzelner hat keine Chance gegen die Dienste, aber wenn es viele und immer mehr sind, die sie für Demokratien untragbar und unerträglich halten, dann können sie nicht mehr viel anrichten. Wie zum Beispiel, die Medien manipulieren, in dem sie entweder berichten, dass sich gerade „böse Terroristen in Richtung Europa bewegen oder, falls sich die Stimmung in der Öffentlichkeit gegen sie richtet, dann erzählen sie von geplanten Attentaten in Deutschland, die sie im internationalen Rahmen verhindert hätten, Kurzum, sie vermochten die öffentliche Meinung in einem gewissen Rahmen zu manipulieren. Frank Stand verfolgte sie, und plädierte für ihre Verfolgung, ihr Verbot und ihre Ersetzung. Denn diese Organsationen mordeten auch in Deutschland, so wie es die Werte und Grundrechte verlangten,  auf eine ganz leise, diskrete, extrem heimtückische Art und Weise, so wie bei Frank Stand.

Nachtrag (ein halbes Jahr später)

Durch Zufall kam heraus, dass Frank Stand von seinen Nachbarn vergiftet wurde, die ihn schleichend und heimtückisch ermordeten, aus dem ganz banalen Grund, weil sie, ein Päärchen mit Kind, in einer Ein-Zimmer-Wohnung, in seine Zwei-Zimmer- Wohnung wollten,  zudem wussten sie, dass Frank Stand zwei vermietete Eigentumswohnungen hatte. Sie hatten sich verplappert und Dienste, die Frank Stand observierten, hatten das Gespräch zufällig aufgenommen.

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Hinter der Türe.

I.

Kennen Sie die runden, roten Schachteln von Lindor? Glaube von Lindor, der Schweizer Schokoladenfirma. In dieser hatte meine Geige platz, weiss nicht wieso, aber sie hatte Platz. Ich wollte eigentlich meinen letzten Schein machen an der Universität und dazu bin ich in die Fakultät. Die wollten mir ihn aber nicht geben, weil. Also. Erstens, die Warteschlange. Die Warteschlange war ungemein, nein, fast schon gemein lange und als ich dran war, wollte er mir sie nicht geben, sondern er meinte, hier nicht, aber in einer anderen Abteilung. Mehr so für Geistenswissenschaften und Musizierende. Gut. Ausserdem stellte er fest, in starkem Berliner Akzent, dass er mich. Jedenfalls sagte ich ihm, dass meine Mutter bestimmt in diesem Raum schon einmal gewesen ist, vor Jahrzehnten, sie sei nämlich auch Berlinerin. Wir gingen also in die andere Abteilung. Ich und meine Geige in der Lindorschachtel. Die fiel mir runter in eine Art Schacht, und den ganzen Schacht entlang, es könnte ein langer Vorlesungssaal für Geiger und Geigerinnen gewesen sein, den ganzen Schacht entlang, ich schaute der Schachtel nach, wie sie fiel und fiel, müssen Stuhlreihen. Jedenfalls wurde die Schachtel, meine kleine rote Lindorschachtel mit der Geige, sanft weitergeschubst, am Ende, am Boden erhielt sie nochmals einen besonderen, der Deckel war abgefallen, einer setzte ihn wieder auf. Der Deckel der Schachtel mit der Geige drin. Unversehens versah ich mir sie wieder. Nahm ich sie mir wieder. Ich dankte den amüsierten Geigenspielern, die sich über den ganzen Vorfall gewundert haben werden. Im Geiste dankte ich ihnen. Danach lief ich wieder zurück, vor die Universität oder vor das Institut und versuchte die Treppen zu erklimmen. Die Treppen zu besteigen. Die Treppe jedoch wurde von Stufe zu Stufe grösser. Die Stufen wurden Stufe um Stufe grösser. Ich stieg zuerst, später kletterte ich die Treppe hoch. Quasi in Zeitlupe wurden die Stufen grösser. Meine Schritte wurden auch grösser, ich hob mein Bein immer höher. Dann reichte die Höhe für mein Bein. Die Stufen wurden weiter grösser. Ich glaube nicht, dass ich kleiner wurde, nein, die Stufen wurden grösser und ich wurde kleiner im Vergleich zu den Stufen. Nur in diesem Vergleich, sonst blieb ich der alte. So stieg ich, dann kletterte ich, dann verzweifelte ich, immer weiter. Und noch weiter. Jedenfalls muss es irgendwie doch geklappt haben und ich kam oben oder im Institut an mit meiner Lindorschachtel.

II.

Ich hatte noch keinen Ton gespielt, da meinten sie, ich solle auf keinen Fall spielen. Das sei jetzt nicht der Moment dazu. Dafür hätte ich den Moment verpasst. Ich dürfe auf keinen Fall spielen, ich würde den Schein auch so kriegen.

III.

Die ganze Zeit tuschelten sie und ich musste zunächst so tun, wie wenn ich das Tuscheln nicht hörte. Wie wenn es mich nicht beträfe. Als ob sie über etwas ganz anderes tuschelten. Vielleicht über die Tuschzeichnungen an den Wänden in diesem doch sehr grossen Saal. In dem ganz merkwürdig weit hinten sie mir einen Stuhl. Ganz merkwürdig weit entfernt waren sie und tuschelten. Dennoch hörte ich. Dann räusperte ich mich. Und zwar so, dass das Echo im Saal mehr zu hören war als mein Räuspern oder der Saal mein Räuspern so laut machte, dass sie es hörten, hören mussten. Warum tuscheln Sie über mich, rief ich. Endlich sagte eine. Nachdem es plötzlich ruhig wurde im Saal. Es sei wegen der Schachtel. Wie ich aus ihr die Geige. Wie die Geige in diese Schachtel. Diese Schachtel vorne in meiner Brusttasche. Das könne nicht sein. Das. Sie tuschelten wieder und eine wollte die Polizei rufen. Sie war so entsetzt darüber, dass sie sich nicht mehr einkriegte.

IV.

Ich wollte bloss den Schein abholen.

V.

Der Saal war im Quattrocento gebaut worden. Nein, der Saal war im Quattrocento gebaut worden. Er war der grösste Saal seit den Römern, der gebaut wurde. Grösser war kein Saal zu bauen. Ich hatte auch heute keinen Saal von dieser Grösse jemals betreten oder gesehen. Er war, doch, es war der grösste Saal. Und die Geige war die Vor-Stradivari. Die Geige der Geigen gewissermassen. Und sie füchteten, oder was fürchteten sie sonst, dass die Risse im Saal bei jedem Ton dieser Geige grösser und grösser wurden. Auf keinen Fall durfte ich mit dieser Geige spielen. Auf keinen Fall in diesem Saal.

VI.

Mir reichte das Tuscheln und ich ging mit der Geige zur nächsten Türe, und diese geöffnet, öffnete sich ein neuer Saal, noch grösser als der Saal, in dem mein Stuhl. In dem die Tuschzeichnungen und die Tuschler. Das sei die falsche Abteilung, der Mann sah aus wie ein Museumswärter. Das sei die falsche Abteilung. Geigen seien im Saal, aus dem ich. Ich sah auf der anderen Seite dieses Saals durch die Türe in einen Nebennebensaal und dessen andere Seite, dessen Ende nicht mehr, selbst für meinen Blick war er zu gross, der auf Unendlichkeit geeicht ist. Plötzlich erkannte ich, wie klein mein Saal war, in dem ich nie mehr sitzen und glauben werde, dass er der grösste ist. Und meine Geige.

VII.

Ich ging wieder in meinen Saal zurück. Und wollte den Schein haben.

VIII.

Mich beeindruckte die Grösse des Saals nicht mehr so stark, weil ich sah und wusste, dass es grössere Säle gibt, die, so gross, wie sie waren, mich aber auch nicht mehr so stark beeindruckten. Ich sah, dass ich die Unendlichkeit kaum sehen kann und ich die daneben, die noch grösser war, noch weniger sah.  Der grosse Geigensaal ist etwas kleiner, nur meine Unwissenheit, wie unendlich unendlich war, ist etwas grösser geworden. Eine rief mich. Nicht die mit der Polizei, das war eine andere, ich solle doch bitte zu ihr kommen. Wegen dem Schein. Und die Risse im Saal rissen weiter. Ich spielte im Geiste die Geige. Summte die Melodie. Ich musste mich auf den Weg zu ihr machen und wusste nicht, was mir widerfahren wird. Es wird Tage dauern, bis ich sie erreicht haben werde. Tage und Wochen werde ich mich. Wie komme ich dazu, nicht zu verhungern und zu verdursten. Es ist nur ein Verwaltungsakt, du bist in wenigen Sekunden dort und dann kriegst du den Schein, dachte ich. Betrachte es so, das wird dir helfen.

IX.

Nicht nur der riesige Saal ist kleiner geworden, auch ich bin beschränkter und auf eine Art schrankenloser geworden, als ich zu sein und zu sehen dachte. Ich wollte den Schein nicht mehr und liess die Geige liegen. Ich rief: Ich will den Schein nicht mehr. Ich gehe jetzt.

 

Fragmente

Der Robozid//

 

oder wie der Homo sapiens militärtechnisch// an seiner Ausrottung arbeitet////anstatt das Militär auszurotten//

/Kampfroboter Typ …./ war die perfekteste Killermaschine – ein Soldat aus künstlicher Intelligenz und in sich// integrierten A-, B- und- Waffen-Arsenalen/ -. mit der Fähigkeit Verbände seines Typs zu mobilisieren und seinen Typ selber zu reproduzieren, allenfalls zu vermehren//////, die die menschliche Technologie jemals hergestellt hatte/  Er vereinte///Perfektion sowohl in seiner Tötungseffizienz als auch in seiner// Unzerstörbarkeit.  Kurzum, Kampfroboter-System ……wurde eines Tages zum leibhaften Teufel, zum Horror der ganzen// Menschheit//   àhnlich wie in den Terminator-Filmen an Skynet// verlor die Menschheit ihre Kontrolle über sich an diese künstlichen Intelligenzattrapen// die Kontrolle über diese Maschine, also über einen ganzen Verband von Killerrobotern, die zwischen Feind und Freund nicht mehr unterschieden,. sondern nur noch zwischen Leben und Tod/// Freund war für sie alles, was tot war/, Feind, alles, was lebte///————- sich unaufhörlich anstrengte, alles, was lebte, durch tödliche Gewalteinwirkung///in das Reich des Leblosen zu überführen. Die Maschinen ruhten nicht, solange Menschen lebten. Das höchste war, sie stellten sich in stand by -jederzeit wieder aktivierbar, wurden sie von anderen Maschinen, die ein Nest Menschen ausfindig gemacht hatten// aktiviert, gerufen/// Diese waren fiebrig darum bemüht, ihr Leben und Überleben zu retten, also einen Weg zu finden, dieses System von Kampfrobotern – das sie einst erfanden, um andere Menschen, um „Feinde“ zu töten// …. , auszuschalten./